Noch nicht komplett im Arsch

Seit über einer Woche ist #Chemnitz nun das spürbare Thema Nummer eins. Vorgestern am Samstag fand in #Chemnitz dann der Dritte Aufmarsch von Rechtsradikalen innerhalb einer Woche statt. So wie Henning es auf Facebook schrieb, ging es auch mir als in den Achtzigern geborener Niederrheiner. Ja, es gibt da draußen ein paar Neonazis die laut sein wollen, aber man konnte sicher sein, die Gegendemonstranten waren mehr und lauter. Das waren zwar fast immer die Anderen, aber auf die konnte man sich verlassen.

Früher hat es mich immer beruhigt, dass wenn Nazis demonstriert haben, es mindestens 5x so viele GegendemonstrantInnen gab. Früher.

Gepostet von Henning Tillmann am Samstag, 1. September 2018

Nicht am Samstag. Nicht in Chemnitz. Je nach Quelle waren die Verhältnisse gleich stark oder mit leichter Mehrheit für die Rechtsradikalen.

Wenn wir den Neonazis und all ihrem widerlichen Gefolge nicht die Straße überlassen wollen, dann müssen wir auf die Straße. Wir müssen den Arsch vom Sofa hoch bekommen und tatsächlich aktiv werden.

Es ist nett, wenn Du auf Facebook teilst, dass Du gegen Nazis bist. Aber das reicht nicht!
Es ist toll, wenn Du mit einem neuen Profilbild zeigst #wirsindmehr – Aber das reicht nicht!

Denn denen ist das egal.

Wenn wir Neonazis, der AfD und den sich selbst titulierten „besorgten Bürgern“ die Stirn bieten wollen, dann muss das mehr sein als ein wenig Clicktivity! Es muss aber auch mehr sein, als nur einer von 10.000 auf einem Demo-Konzert zu sein. Am Ende geht es nicht darum die Straße als Raum zu gewinnen, es geht darum Werte zu verteidigen. Die Werte unseres Grundgesetzes, der Menschenrechte und die Werte einer freiheitlich, sozialen und liberalen Gesellschaft.

Wir haben viel zu lange zugesehen wie rechtsradikales Gesindel in Social Media und den Kommentarspalten, auf Webseiten und anderen digitalen Kanälen sich organisiert hat um die Deutungshoheit zu erlangen, Fakten zu relativieren und Falschmeldungen zu instrumentalisieren. Und wir haben immer gesagt „don’t feed the trolls“.

Was haben wir nun davon? Egal welcher Kanal, egal welches Thema – Die finsteren Gestalten sind immer da und immer am Werk. Sie sind dabei das Internet als Waffe einzusetzen. Dieses Internet, von dem wir uns eigentlich nicht weniger als Weltfrieden versprochen hatten. Und sie wollen die Welt brennen zu sehen. Schon wieder.

Noch ist das Internet und unsere Gesellschaft nicht komplett im Arsch. Wir müssen präsent sein und Diskussion führen mit denen die offen für Gespräche sind. Bei denen die nicht diskutieren wollen oder können, sondern nur laut sind, da müssen wir lauter sind.

Seid viele, seid friedlich, seid laut! Offline und Online!

Dieser Text ist das Vorwort zu meinem heutigen Ticker bei D64. Im D64 Ticker schreibe ich alle paar Wochen über die neuesten netzpolitischen Themen.

 

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