Ebbe in der Welle?

Was haben wir nicht alle angestellt um bei der Closed-Beta von Google Wave dabei zu sein. Einladungen wurde bei eBay verkauft und so mancher hat sein gesamtes Social Media Netzwerk abgegrast um jemanden zu finden, der schon zu frühem Zeitpunkt zum Kreis der Auserwählten gehörte um von ihm die Weihe einer Wave Invitation zu bekommen, und damit auch zu den wohl 10 engsten Kontakten (zumindestens in der Gruppe der an Wave Interessierten). Wie oft hatte ich mir schon das „loooong video“ auf ader Welcome-Seite von Google Wave angesehen, mit riesiger Vorfreude auf das was mich dort erwarten würde, und wie Wave meine Kommunikationsgewohnheiten und mein „digitales Leben“ verändern würde. Bei db-central haben wir sogar einen Innovationsworkshop zu dem Thema gemacht.

Alles sah danach aus, als wäre Wave die nächste Evolutionsstufe der digitalen Revolution.

Und heute? – Heute habe ich 3 eigene Wave-Accounts, habe selbst meine Freunde aus dem Kreis der „Nicht-Digital-Natives“ versorgt, und für meine Freundin einen Account angelegt, welchen Sie voraussichtlich nie nutzen wird. Die halbe Firma habe ich mit Einladungen versorgt, und habe so 20 Kontakte in meinem Wave-Adressbuch. Sogar in eine iPhone-App (Waveboard) habe ich investiert. Eigentlich gar keine so schlechten Voraussetzungen für eine regelmäßige Nutzung.

Aber leider sieht mein „digitales Leben“ heute noch genau so aus, wie vor 6 Monaten. Es hat sich eigentlich nicht viel verändert. Ich kommuniziere immer noch im wesentlichen über eMail, Telefon und Dateiaustausch mit meinen Freunden, Kollegen und Kunden. Die aktuellste Wave in meinem Account hat das Datum vom 8. Dezember 2009. Seitdem ist nichts, aber auch gar nichts dort passiert.

Woran liegt das? Ist Google Wave gefloppt? Ich denke, dass wäre ein sehr verfrühtes Urteil. Die Closed-Beta richtet sich an die Early-Adopters. Und der Hype um Google Wave in den sozialen Netzwerken wurde im wesentlichen aus dieser Gruppe initiiert und vorangetrieben. In dieser Zielgruppe, zu der ich mich in diesem Fall auch zähle, ist der „Spieltrieb“ zum heutigen Zeitpunkt erst einmal befriedigt.

Für eine langfristige Nutzung fehlt es der ersten Generation der Waver noch an konkreten Anwendungsanlässen. Ich stelle es mir zwar sehr interessant vor Projekt-Abstimmung, wie zum Beispiel Anforderungserhebung und Konzeption in einer Wave zu machen, aber ich halte es noch für zu früh einen Kunden in einer Beta-Phase einer Softwareentwicklung dort zu einer produktiven Arbeit zu bewegen. Hier unterscheidet sich der klassische Softwareentwicklungsprozess (Beta ist zum Testen, Stable für den Produktiveinsatz) von dem des „Web 2.0 Softwareentwicklungsprozess“ (Permanente Beta). Das muss man dem Kunden erst einmal vermitteln.

Ein großes Hindernis für die Akzeptanz und die Integration von Wave in die Arbeitsprozesse ist, dass es eine isolierte Anwendung ist. Ich kann meine übrige Kommunikation nicht zu Wave verlagern, kann aber auch nicht Wave in meine übrige Kommunikation integrieren. Erste Ansätze dazu gibt es zwar bereits in Thunderbird 3, aber hier wird Wave nur als neuer Tab geöffnet. Wirkliche Integration sieht anders aus.

Ist die Welle also gebrochen? Ich denke nicht. Google hat genug Power um die Marke Wave auch in weitere Zielgruppen zu kommunizieren und es zu verbreiten. Spätestens dann werde ich auch den ersten Versuch mit meinen Kunden fahren, Zusammenarbeit in der Wave zu pilotieren.

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